Synchronie und Diachronie sind zwei entgegengesetzte Perspektiven auf sprachliche Phänomene. Im folgenden Diagramm ist die senkrechte Achse die Zeitachse.

Hier würden Sie ein Diagramm zu Synchronie und Diachronie sehen.

Die Synchronie ist die Beziehung eines sprachlichen Phänomens zu den gleichzeitig im Sprachsystem existierenden Phänomenen. Sie betrifft ein Sprachstadium und impliziert, bezogen auf die Sprachentwicklung, eine statische Sicht der Sprache.

Die Diachronie ist die Beziehung eines sprachlichen Phänomens zu solchen Phänomenen, die ihm in einem vorangehenden oder folgenden Stadium der Sprache entsprechen. Sie betrifft den Sprachwandel und impliziert, bezogen auf die Sprachentwicklung, eine dynamische Sicht der Sprache.

Beide Begriffe werden häufig in verschiedener Weise mißverstanden:


1 Ähnliches gilt für Historisches. Vor allem das englische Wort historical hat in informellem Gebrauch die Implikation “auf frühere Zeiten bezogen”. Aber ein historisches Phänomen ist ein zeit- und kulturgebundenes (i.Ggs.z. einem natürlichen) Phänomen. Solche gibt es immer, auch heute und morgen.

2 Wegen der die beiden Definitionen konstituierenden unterschiedlichen Beziehungen wird das Sprachsystem üblicherweise nur in synchroner Perspektive als solches konzipiert. Das liegt aber lediglich daran, daß es sehr aufwendig ist, die Diachronie ganzer Sprachsysteme zu konzipieren und zu beschreiben. Und andererseits erfassen auch die wenigsten synchronen Studien das gesamte Sprachsystem.

3 Die Verwechslung von Diachronie und Geschichte ist in der Linguistik ausgesprochen häufig und kommt außerhalb ihrer praktisch nicht vor. Dies liegt offensichtlich daran, daß Linguistik – anders als alle anderen an Geschichte interessierten Disziplinen – nach Generalisierungen sucht und daß viele Linguisten tatsächlich mehr an diesen als an historischen Fakten interessiert sind.