Objektsprache und Metasprache 05.08.2026

Methodologisches

Sprachliche Ausdrücke können alles Denkbare bezeichnen. Sie können auch sprachliche Ausdrücke und überhaupt Sprachliches bezeichnen. Man verwendet dann Sprache, um über Sprache zu reden. Hier kommt Sprache auf zwei logischen Stufen vor:

Wenn wir z.B. auf Deutsch über englische Grammatik sprechen, ist Englisch die Objektsprache und Deutsch die Metasprache.

Dies ist eine relative Unterscheidung. D.h. eine Sprache – mindestens eine natürliche Sprache – ist nicht an und für sich eine Objekt- oder eine Metasprache, sondern sie fungiert nur so in einem bestimmten Text bzw. Diskurs. Zweitens ist es eine logische Unterscheidung. D.h. zwei Sprachen können jederzeit die Rollen von Objekt- vs. Metasprache tauschen, und insbesondere kann auch ein und dieselbe Sprache als Objekt- und als Metasprache dienen, etwa in folgendem Satz:

Präventivschlag ist das Unwort des Jahres.

In der Linguistik und der Philosophie (als den beiden Disziplinen, die sich ex officio mit dem Verhältnis von Objekt- und Metasprache befassen) ist eine notationelle Unterscheidung der beiden Ebenen etabliert.

Um auf Sprachliches bezogene Allgemeinbegriffe zu bezeichnen, haben alle natürlichen Sprachen besondere Wörter, die der metasprachlichen Rede dienen. Das sind solche Wörter wie Wort, Ausdruck, Satz usw. Um einen einzelnen sprachlichen Ausdruck wie etwa Nelke zu bezeichnen, kann man ihn in Apposition zu einem solchen allgemeinen Term in einem referentiellen Nominalsyntagma verwenden, wie in B1.a und b. Man kann ihn - in natürlicher gesprochener Sprache - auch einfach so zur Bezeichnung von sich selbst verwenden, wie in B1.c.

B1.a. Der Ausdruck Nelke duftet nicht.
b. Das Wort Nelke ist sieben- bis achtmal schöner als das Wort carnation.
c. Nelke ist sieben- bis achtmal schöner als carnation.

Man unterscheidet zwischen der Verwendung und der Erwähnung eines Ausdrucks (engl. use vs. mention):

Typographische Unterscheidung

In geschriebener Sprache werden diese beiden Vorkommensweisen sprachlicher Ausdrücke typographisch dadurch unterschieden, daß die Erwähnung eines Ausdrucks besonders markiert wird, wie in B2.b (und mehreren vorhergehenden Beispielen).

B2.a.Fritz ist einsilbig.
b.Fritz ist einsilbig.

Der Zweck jeglicher Konventionen der Auszeichnung der Erwähnung sprachlicher Ausdrücke liegt darin, daß der Leser auf diese Vorkommensweise aufmerksam gemacht werden soll. In der Linguistik - als der Wissenschaft, die par excellence mit sprachlichen Ausdrücken zu tun hat - gelten folgende Konventionen:

In der Sprachwissenschaft ist Kursivsatz weitgehend für diesen Zweck reserviert und in dieser Funktion durch nichts zu ersetzen (in Handschrift wird er durch Unterstreichung symbolisiert). Insbesondere haben einfache und doppelte Anführungszeichen in dieser Disziplin andere Funktionen. Die ersteren werden zur Kennzeichnung von Begriffen (also unabhängig von den sie etwa bezeichnenden sprachlichen Ausdrücken), so wie in B3.a, verwendet, doppelte Anführungszeichen dagegen für Bedeutungsangaben, wie in B3.b.

B3. a. Laßt uns ‘Ausdruck’ und ‘Begriff’ nicht durcheinanderbringen!
b. In diesem Text stieß ich erstmals auf carnation “Nelke”.

Grenz- und Zweifelsfälle zwischen Kursivsatz und einfachen Einführungszeichen kommen vor. Wenn es auf den (einzelsprachlichen) Ausdruck qua Significans (Bezeichnendes) ankommt, wie z.B. in B2.b, ist jedenfalls Kursivsatz angebracht.

In der Philosophie ebenso wie auch sonst außerhalb der Linguistik häufig werden doppelte Anführungszeichen verwendet, um die Erwähnung von Ausdrücken zu kennzeichnen. Bedeutungen gibt man dort - und auch in formaler Linguistik - in Majuskeln an, wie in B4.

B4. "Chien" und "dog" bedeuten HUND.

Zusammengefaßt:

Auszeichnung objektsprachlicher Ausdrücke im metasprachlichen Kontext
Auszeichnung objektsprachlicher Ausdrücke im metasprachlichen Kontext
Disziplin
Operation        ╲
LinguistikPhilosophie
Verwendung eines Ausdrucksunbezeichnetunbezeichnet
Erwähnung eines (Ausdrucks mit Bezug auf) Significans Kursivsatzdoppelte Anführungszeichen
Erwähnung eines Begriffs einfache Anführungszeichendoppelte Anführungszeichen/
Kursivsatz
Bedeutungsangabe doppelte Anführungszeichen/
Majuskeln

Majuskeln