Textedition 11.06.2026

Textedition als eigene wissenschaftliche Leistung ist nötig bei Texten, deren Urfassung nicht gedruckt ist. Traditionell geht es um Manuskripte. Aber auch Texte, die ursprünglich als Tonaufnahmen vorliegen, werden ediert.

Es gibt zwei Arten der Textedition:

Eine diplomatische Ausgabe ist die Edition einer einzigen Quelle (Vorlage). Sie wird vorgenommen, wenn es keine konkurrierenden Überlieferungen gibt. Die Edition läßt die Vorlage völlig unverändert, enthält also keine Wiederherstellungen oder Emendationen. Diese können nur separat, z.B. in Fußnoten vorgeschlagen werden.

Eine kritische Ausgabe ist die Edition auf der Basis mehrerer verschiedener Vorlagen, die konkurrierende Überlieferungen repräsentieren. (Hier ist keine diplomatische Ausgabe möglich.) Es wird ein Text wiederhergestellt durch Vergleich (Kollationierung) der Vorlagen. Am Fuß der Seite steht ein kritischer Apparat, der den Originaltext der Vorlagen wiedergibt, wo immer er vom Text der Ausgabe abweicht.1

Texteditionssymbole
Texteditionssymbole
Nr.SymbolBedeutung
1[   ]Lücke durch Beschädigung des Originals
2[ . . . ]vermutete Anzahl der fehlenden Buchstaben in der Lücke
3⟦   ⟧Tilgung durch den Schreiber
4{   }Tilgung durch den Herausgeber
5‵abc´ abc ist von einem Schreiber über der Zeile nachgetragen
6< > Ergänzung oder Änderung durch den Herausgeber
7ạḅc̣ḍ beschädigte Buchstaben, deren Lesung unsicher ist
8. . . nicht lesbare Buchstabenreste
9[ abc ]abc ist nicht zu lesen, sondern ergänzt
10⌈ abc ⌉abc ist kaum lesbar und im übrigen ergänzt
11 vom Schreiber unbeschrieben gelassenes Spatium
12( )aufgelöste Abkürzung

Alternativen:

Ferner:


1 Der Ausdruck ‘kritisch’ in diesem Zusammenhang hat wenig mit der üblichen Bedeutung des Wortes zu tun, sondern geht auf die Bedeutung des dem Adjektiv zugrundeliegenden griechischen Verbs zurück, welche “sichten, auswählen, urteilen” ist.