Es wurde vorausgesetzt, daß man die relative räumliche Anordnung einer Menge von Gegenständen mindestens auf zwei Weisen erfassen kann:
- Im deiktischen Bezugsrahmen achtet man darauf, wie die Gegenstände nach den Dimensionen des eigenen Körpers, also nach links vs. rechts usw. ausgerichtet sind.
- Im absoluten Bezugsrahmen achtet man darauf, wie die Gegenstände nach dem absoluten Koordinatensystem, hier also nach den Himmelrichtungen ausgerichtet sind.
Das Experiment sollte die Frage beantworten, nach welchem Bezugsrahmen Angehörige verschiedener Gemeinschaften die räumliche Anordnung von Gegenständen erfassen. Da von den Tzeltal und den Niederländern schon vorher bekannt war, daß sie verschiedene Strategien der Raumorientierung und Raumkonstruktion verwenden, wurde mit ihnen das Experiment durchgeführt.
Die beiden Bezugsrahmen verhalten sich unter Drehung um 180% verschieden. Daher wurde das Experiment wie folgt aufgebaut: An einer Wand des Versuchsraumes stand ein Tisch. Darauf waren drei verschiedene Spielzeugtiere in eine Reihe gestellt. An der gegenüberliegenden Wand stand ein leerer Tisch. Die Versuchspersonen traten an Tisch Nr. 1. Ihnen wurde folgende Aufgabe gestellt: Merke dir, wie die Tiere aufgestellt sind. Dreh dich um. Geh an Tisch Nr. 2. Bau die Tiere wieder so auf, wie sie waren.
Die folgende Abbildung (aus Pederson et al. 1998) zeigt den Versuchsaufbau sowie auf Tisch 2 in der linken Spalte, wie die Niederländer die Tiere aufbauten, in der rechten Spalte dagegen, wie die Tzeltal die Tiere aufbauten.
Wie man sieht, verwendeten die Niederländer als Kriterium der Anordnung der Tiere das räumliche Verhältnis zu sich selbst, orientierten sich also im deiktischen Bezugsrahmen. Die Tzeltal dagegen verwendeten als Kriterium der Anordnung das räumliche Verhältnis zu einem externen Bezugspunkt, orientierten sich also im absoluten Bezugsrahmen.
Bibliographische Hinweise
Pederson, Eric & Danziger, Eve & Levinson, Stephen & Kita, Sotaro & Senft, Gunter & Wilkins, David 1998, "Semantic typology and spatial conceptualization." Language 74:557-589