Dem empirischen Wissenschaftler sind Phänomene einer bestimmten Art gegeben, die er zu analysieren, zu klassifizieren, zu beschreiben, kurz: die er wissenschaftlich zu bearbeiten hat. Auch dem Linguisten sind sprachliche Phänomene vorgegeben, die er zu beschreiben hat. Wenn man die Position des Linguisten gegenüber den sprachlichen Phänomenen mit den Positionen des Sprechers und des Hörers vergleicht, ergibt sich, daß sie eher der letzteren gleicht. Ganz wie der Hörer nimmt der Linguist sprachliche Äußerungen auf, verarbeitet und interpretiert sie. Ebenso wie der Hörer keinen unmittelbaren Zugang zu der psychischen Verfassung des Sprechers hat, die zu solchen Äußerungen führt, sondern lediglich die erzeugten Zeichen zur Verfügung hat und daraus Sinn macht, ist auch dem Linguisten nur das interpersonal verfügbare Zeichen zugänglich, aus dem er Schlüsse ziehen kann.
Das bedeutet, daß die Methodologie der Linguistik den sozialen Charakter der Sprache voraussetzt. Damit ist nicht in Abrede gestellt, daß es Fragestellungen in der Linguistik - etwa in der Psycholinguistik der Redeerzeugung - gibt, die die psychischen Vorgänge im Sprecher zum Gegenstand haben. Aber die Linguistik kann nicht auf eine Wissenschaft von Vorgängen in Sprechern reduziert werden; im Gegenteil setzt diese Art von Linguistik eine soziale Konzeption von Sprache voraus.