Agglutination (lat., “Drankleben”) ist der Prozess, in dem ein bis dahin freies grammatisches Formativ ein Affix eines syntagmatisch adjazenten Wortes wird. Sie ist ein Fall von Univerbierung. Z.B. entsteht das romanische Futur vom Typ span. cantará “wird singen” durch Agglutionation des Hilfsverbs “hat” an den Infinitiv cantar “(zu) singen”.

Der Begriff des agglutinierenden Sprachbaus liegt bereits in Schlegel 1808 vor, wo allerdings der Terminus ‘anfügend’ verwendet wird. Humboldt (1836, §14) führt den Terminus ‘Agglutination’ ein, schreibt ihn allerdings einem ungenannten Vorgänger zu.

Agglutination spielt in der Typologie des 19. Jh. eine wichtige Rolle, indem sie den agglutinativen Sprachtyp charakterisiert. Agglutinierend sind eben die Sprachen, die grammatische Bestimmungen durch Affixe an auch frei vorkommenden Stämmen bezeichnen. Paradebeispiel ist Türkisch.


Humboldt, Wilhelm von 1836, Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechtes (=Über die Kawi-Sprachen auf der Insel Java. Einleitung). Berlin: Königl. Ak. Wiss.; in Kommission: Bonn etc.: Ferd. Dümmler. Abgedr.: Humboldt 1963:368-756.

Schlegel, Friedrich 1808, Ueber die Sprache und Weisheit der Indier. Ein Beitrag zur Begründung der Alterthumskunde. Nebst metrischen Übersetzngen indischer Gedichte. Heidelberg: Mohr & Zimmer. Amsterdam: J. Benjamins (ASTHoLS, Ser.1, vol. 1), 1977.