Deiktische Kategorien

In der Darstellung der Sprechsituation sind deren wesentliche Komponenten zusammengestellt. Einige davon erfüllen folgende zwei Voraussetzungen:

Es handelt sich um die folgenden Komponenten der Sprechsituation:

Der Deixis zugrundeliegende Komponenten der Sprechsituation
Sprechaktteilnehmer mit ihren Rollen
Raum
Zeit
Tätigkeit der Sprechaktteilnehmer
Rede/Text

Diese1 begründen die sprachliche Deixis. Deixis2 (griech. "Zeigen, Hinweisen") ist eine sprachliche Operation, in der der Sprecher referiert, indem er sich selbst bzw. seinen Sprechakt als Bezugspunkt verwendet und also den Referenten durch Bezug darauf identifiziert. Kürzer gesagt: Deixis ist Referenz durch Bezug auf die Sprechsituation. Mithin ist sie jedenfalls eine Art von Referenz, gemäß folgender Systematik:

Weiteres hierzu im Abschnitt über Anaphora.

B1. Hast du eigentlich Ludwig angerufen?

In B1 z.B. referiert Erna auf Erwin als den Hörer in der Sprechsituation; und den repräsentiert eben das Wörtchen du. M.a.W., in B1 hat Erna auf Erwin deiktisch referiert; hätte sie stattdessen gesagt Hat Erwin eigentlich Ludwig angerufen?, so hätte sie auf dieselbe Person nicht-deiktisch referiert (was in der für B1 vorausgesetzten Sprechsituation im Deutschen merkwürdig wäre).

Ein Sprachzeichen ist deiktisch gdw seine Referenz in systematischer Weise von der Sprechsituation abhängt derart, daß die Referenz3 sich nur feststellen läßt, wenn man die Sprechsituation kennt. Deiktisch können vor allem grammatische Kategorien sein; lexikalische Deixis ist beschränkt. Es gibt pro deiktische Kategorie ein Paradigma von mindestens zwei grammatischen Formativen (von denen freilich eines Null sein kann), die auf Gegenstände, Raumabschnitte oder Zeitpunkte dadurch referieren, daß sie sie auf die entsprechende eingangs genannten Komponente der Sprechsituation beziehen.

Deixis ist ein sprachliches Universale. Es beruht offenbar auf zwei Voraussetzungen:

  1. Es kommt sowieso vieles von dem, was (in der dargestellten Situation) besprochen wird, in der Sprechsituation vor. (Anders gesagt: allseits beliebter Gesprächsgegenstand ist eben das, was gerade gegenwärtig ist, insbesondere die Anwesenden.)
  2. Es ist einfacher, den stets verläßlich vorhandenen Bezugspunkt, nämlich den Sprecher, zur Verankerung von Referenten zu benutzen, als sich um andere Bezugspunkte zu kümmern.

Das deiktische Zentrum (die “Origo”) wird im Default-Fall vom Sprecher eingenommen. Deixis ist insofern egozentrisch.

Die oben aufgeführten Komponenten der Sprechsituation, die für Deixis relevant sind, geben die Basis für die in den Sprachen tatsächlich existierenden deiktischen Kategorien ab. Die wichtigsten davon8 sind in folgender Tabelle zusammengestellt.

Deiktische Kategorien
Komponenten der
dargestellten Situation
Bezugspunkt
der Sprechsituation
deiktische Kategorie
Situationskern - -
Partizipanten ‘ich’ Person
Raum ‘hier’ lokale Deixis
Zeit ‘jetzt’ temporale Deixis
Art und Weise ‘so’ Deixis der Art und Weise10
Diskurs/Text ‘das Gesagte’ Diskursdeixis

Die erste Zeile der Tabelle besagt, daß der Situationskern selbst keine deiktische Kategorie abgibt. Die ihn typischerweise kodierenden Verben können zwar deiktisch sein (s.u.); aber da handelt es sich um Raumdeixis.

Nichtlexikalische Deixis ist Referenz mithilfe von Deiktika. Ein Deiktikum ist ein deiktisches grammatisches Formativ. Deiktika sind Proformen, d.h. Pronomina (Prosubstantive wie ich, Proadjektive wie dieser) und Proadverbien (wie hier).

In jeder deiktischen Kategorie gibt es ein (wiederum nicht notwendigerweise overtes) Mitglied, das den Referenten unmittelbar am deiktischen Zentrum ankoppelt, also ein sprecherbezogenes Deiktikum. Das sind eben die deiktischen Formative mit der Bedeutung ‘ich’, ‘hier’, ‘jetzt’, ‘so (wie ich es mache)’. Andere Mitglieder sind dann durch Distanz vom deiktischen Zentrum gekennzeichnet. Sie bedeuten z.B. ‘dér’, ‘da’, ‘damals’, ‘so (wie ein anderer es macht)’.

Mit jedem Sprecherwechsel wechselt das deiktische Zentrum und folglich das gesamte Bezugssystem. Die Referenz eines Deiktikums wechselt also, wenn der Sprecher wechselt. (Eine Sprechsituation ist folglich ein Abschnitt eines sprachlichen Austauschs, in dem der Sprecher von Anfang bis Ende derselbe ist.) Häufig referiert der bisherige Hörer und neue Sprecher auf genau das mit den sprecherbezogenen Deiktika, worauf der bisherige Sprecher mit den Distanzdeiktika referiert hatte, und umgekehrt. Wegen dieser wesentlichen Eigenschaft heißen Deiktika auf Englisch nach Roman Jakobson auch shifters. Die Deixis gehört zum Kern der Grammatik einer jeden Sprache.

Folglich kann man den deiktischen Charakter eines Ausdrucks dadurch testen, daß man ihn in verschiedenen Sprechsituationen verwenden läßt. Wechselt die Referenz in Abhängigkeit von der Sprechsituation, ist der Ausdruck deiktisch, andernfalls nicht. Angenommen z.B. eine Korrespondenz zwischen Erwin und mir. Falls ich B19 schreibe, ist Ernas Bewegung auf mich gerichtet; falls jedoch Erwin B19 schreibt, ist ihre Bewegung auf Erwin gerichtet. Folglich ist kommen deiktisch. Andererseits kann Erwin oder ich B20 schreiben, und unabhängig davon kann Erna von demselben (dritten) Ort abreisen. Abreisen ist folglich nicht deiktisch.

B19. Erna kommt morgen.
B20. Erna reist morgen ab.

Die folgenden Abschnitte sind je einer der deiktischen Kategorien aus der obigen Tabelle gewidmet. Über Textdeixis gibt es eine eigene Seite.

Person

Sprechaktteilnehmer

Zu einem kanonischen (und daher die Sprachstruktur prägenden) Sprechakt gehören mindestens zwei Personen. Da ist zunächst der Sprecher. Er ist das Zentrum eines jeden Sprechaktes und betrachtet sich auch als solches. Sein nicht ganz ebenbürtiges Gegenüber ist der Hörer (oder Adressat oder Angesprochene). Auch er ist, außer im Falle des Monologs, normalerweise vorhanden. Wenn die beiden sich nicht gerade ausschließlich miteinander befassen, gibt es noch mindestens eine dritte Entität, über die gesprochen wird. Entsprechend sind in der überwiegenden Mehrheit der Sprachen der Welt die erste, zweite und dritte Person grammatikalisiert.

Die erste Person ist notwendigerweise im Wortsinne eine Person; die zweite Person ist jedenfalls hoch auf der Empathiehierarchie (d.h. normalerweise ebenfalls eine Person), sonst ist die Rede pathologisch; die sog. dritte Person dagegen kann jegliche Position auf der Empathiehierarchie einnehmen. Die Trias gliedert sich in die Teilnehmer des Sprechaktes, das sind die erste und zweite Person, einerseits und jeglichen Nicht-Teilnehmer, das ist die dritte Person, andererseits. Die dritte Person ist in diesem Sinne auch Nicht-Person. M.a.W.:

Im Schaubild “Sprechsituation und dargestellte Situation” sind daher Partizipant 1 und 2 anders als Partizipant 3 und 4 dargestellt.

Die Markiertheitsverhältnisse zwischen den Personen entsprechen diesen Gegebenheiten: Normalerweise ist die dritte Person unmarkiert, die erste und die zweite Person sind ihr gegenüber markiert. Einzige bekannte Ausnahme ist das Englische, dessen Verb nur in der 3.Ps.Sg. ein Suffix hat. Die Markiertheitsverhältnisse zwischen der ersten und zweiten Person sind nicht klar; wahrscheinlich ist dies keine Markiertheitsopposition.

Die Referenz von Deiktika der ersten und zweiten Person kann innerhalb eines Sprechaktes nicht ohne weiteres wechseln (abgesehen von marginalen Fällen vom Typ du und du und du). Dagegen kann es innerhalb eines Sprechaktes leicht verschiedene Referenten der dritten Person geben. Deshalb kann es in Sätzen wie B2 zu Ambiguität kommen.

B2. Karl sagte zu Heinz, er habe recht gehandelt.

Manche Sprachen unterscheiden hier zwei dritte Personen und nehmen für den Verweis auf eine neu hinzukommende bzw. für den augenblicklichen Fortgang nicht zentrale Person eine sog. vierte Person, auch Obviativ genannt; das wäre das Gegenstück zu er in B2, wenn es auf Heinz referiert. Die dritte Person (das Gegenstück zu er in B2, wenn es auf Karl referiert) heißt in einem solchen System Proximat. In der lateinischen Version von B2 würde die Ambiguität ebenfalls durch zwei verschiedene Pronomina aufgelöst.

B3. Carolus dixit Henrico se/eum recte fecisse.

In B3 bezieht sich se auf Carolus, eum dagegen auf Henrico. Hier liegt allerdings kein Obviativ für ‘Heinz’, sondern im Gegenteil ein Reflexivpronomen für ‘Karl’ vor.

Pronomina

Der Locus der grammatischen Kategorie 'Person' ist das Pronomen, nämlich das Personalpronomen. Alle Sprachen haben Wörter, die sich auf die Sprechaktteilnehmer beziehen, und in den meisten Sprachen haben sie den grammatischen Status von Pronomina. Wegen der zuvor erläuterten Asymmetrie zwischen den Pronomina, die für Sprechaktteilnehmer stehen, und dem Pronomen der dritten Person ist allerdings in vielen Sprachen das Paradigma der Personalpronomina in vielen Sprachen heterogen. Im Urromanischen z.B. gibt das Demonstrativum ille “jener” das Personale der dritten Person ab.

Die Grammatikalisierung selbständiger Personalia macht sie zuerst zu enklitischen Personalpronomina, wie sie aus den romanischen Sprachen bekannt sind, dann zu agglutinativen Personalaffixen, schließlich zu flexivischen Personalendungen (oder -präfixen), wie sie in mehreren indogermanischen Sprachen (Deutsch, Russisch, Lateinisch, Altgriechisch) vorkommen. Deshalb ist Person in sehr vielen Sprachen auch eine verbale Kategorie. Allerdings bei weitem nicht in allen; im Chinesischen, Japanischen und Indonesischen z.B. gibt es keine Person am Verb.

Die Pronomina der ersten und zweiten Person sind notwendigerweise deiktisch. In der dritten Person ist zwischen deiktischen und anaphorischen Pronomina bzw. zwischen deiktischem und anaphorischem Gebrauch eines Pronomens zu unterscheiden.

B4. a. Weißt du das Neuste von Hansi? Er hat sich doch schon wieder scheiden lassen.
b. Guck mal - er!

Das deutsche Pronomen er wird meist anaphorisch verwendet, wie in B4.a; aber in der (leicht umgangssprachlichen) Äußerung B4.b referiert es deiktisch. Es kann aber ein Pronomen in einer gegebenen Verwendung nicht gleichzeitig deiktisch und anaphorisch referieren. Das betrifft insbesondere die Pronomina der ersten und zweiten Person: sie referieren ausschließlich deiktisch. Das n-te Vorkommen von ich in einer Rede nimmt also nicht anaphorisch auf das n-1-te Vorkommen Bezug, sondern jedes Vorkommen nimmt deiktisch auf den Sprecher Bezug.

Zwischen der Kategorie 'Person' und den diversen Determinationskategorien besteht folgende Abhängigkeit: Die erste und zweite Person sind notwendigerweise definit und spezifisch. Sie verhalten sich also, wo sie - wie im Deutschen oder Englischen - Vollwörter sind, syntaktisch wie Eigennamen. Die dritte Person dagegen ist offen für alle Determinationen:

Person und Numerus

Schließlich ist die Interaktion zwischen den Kategorien Person und Numerus (letzterer eine nicht-deiktische Kategorie) bemerkenswert. Während das Personalpronomen der 3.Ps. den Plural sogar in flektierenden Sprachen häufig regelmäßig bildet (z.B. altgriech. autós - autoí, port. ele - eles), ist die Numerusflexion der Pronomina der ersten und zweiten Person in den meisten Sprachen unregelmäßig. Zwar gibt es auch hier regelmäßige Paradigmen, wie etwa das in folgender Tabelle dargestellte Personalpronomen des Mandarin:

Personalpronomen des Mandarin
Numerus
Person    ╲
SingularPlural
1wǒwǒ-men
2nǐnǐ-men
3tā-men

Häufiger aber ist die Suppletion wie in dt. ich - wir, du - ihr. Hierfür gibt es i.w. zwei Gründe.

Die Bedeutung des Plurals ist, daß ein Individuum in mehr als einem Exemplar auftritt. Dies ist jedoch die Bedeutung von wir nur in dem selten vorkommenden Fall, daß mehrere Personen im Chor sprechen. Normalerweise bedeutet wir "das Kollektiv, zu dem ich gehöre". Ihr kann zwar bedeuten "du und du und du ..."; aber der häufigere Fall dürfte auch hier sein, daß "das Kollektiv, zu dem du gehörst" gemeint ist. Daher ist hier aus semantischer Sicht keine regelmäßige Pluralbildung zu erwarten.

Für die erste Person ist darüber hinaus wichtig, daß wir zwei verschiedene Dinge bedeuten kann, nämlich entweder "das Kollektiv, zu dem ich und du gehören" (1.Ps.Pl. inklusiv) oder "das Kollektiv, zu dem ich, aber nicht du gehören" (1.Ps.Pl. exklusiv). Da ja die grammatischen Personen durch den Sprechakt konstituiert werden und auch dieser Unterschied auf den Sprechaktverhältnissen beruht, ist es kein Wunder, daß er im Paradigma des Personalpronomens zahlreicher Sprachen grammatikalisiert ist. So stehen etwa im Tamil naampa 1.Ps.Pl.inkl. und naanka 1.Ps.Pl.exkl. in Opposition. Dasselbe zeigt B5 aus dem Madagassischen.

B5. a. H-andeha izahay
Mad FUT-geh 1.PL.EXKL
“Wir werden gehen (aber nicht du).”
b. H-andeha isika
FUT-geh 1.PL.INKL
“Wir (einschließlich du) werden gehen.”

Andere Sprachen wie das Hixkaryana (Brasilien) gehen noch weiter in der Unterscheidung wechselnder Teilmengen der drei Personen (‘ich und du, aber nicht sie’ usw.):

Personalpronomina des Hixkaryana (Derbyshire 1979:127)
Belebtheit
Person ╲ Numerus
Belebt
Singular

Kollektiv
Unbelebt
1u-ro--
1 + 2kɨw-rokɨw-yamo-
1 + 3amnaamna-
2omo-roomn-yamo
3no-ronyamoroɨ-ro
Übungsaufgaben
1. Kognitive und grammatische Kategorien
2. Person und Numerus im Französischen

Soziale Deixis

Die Beziehung zwischen dem Sprecher, dem Hörer und dem Besprochenen kann sich im Prinzip ausschließlich aufgrund des jeweiligen Sprechaktes definieren. Sehr oft aber spielt die soziale Beziehung, die zwischen diesen Personen (unabhängig vom jeweiligen Sprechakt) besteht, in der Sprachstruktur eine Rolle. Viele Sprachen haben eine Unterscheidung zwischen zwei zweiten Personen, einer unmarkierten und einer höflichen. Die höfliche zweite Person kommt diachron immer aus irgendeiner anderen Position des Personensystems. Im Deutschen z.B. kommt Sie klärlich aus der 3.Ps.Pl., denn so wird es ja flektiert, und dem entspricht die verbale Kongruenz. Das vous des Französischen ist eigentlich eine 2.Ps.Pl., das Lei des Italienischen eine 3.Ps.Sg.f. und das usted des Spanischen ein singularisches Substantiv ("Euer Gnaden"), das natürlich mit der 3.Ps.Sg. des kongruierenden Verbs verbunden war. Die Höflichkeit nutzt sich ab, und was ursprünglich die höfliche Form war, wird zum üblichen Pronomen für den Angesprochenen. Das englische you war ursprünglich (wie franz. vous) 2.Ps.Pl., verdrängte dann aber völlig das ursprünglich unmarkierte Pronomen der 2.Ps., thou. Das portugiesische você (entspricht etymologisch span. usted) ist in weiten Bereichen Brasiliens nunmehr das unmarkierte Pronomen für den Angesprochenen, löst aber eben wegen seiner etymologischen Herkunft ebenfalls verbale Kongruenz der 3. Ps. Sg. aus.

Soziale Verhältnisse betreffen in all diesen Beispielen bloß die Beziehung des Sprechers zum Hörer. Besonders die Sprachen Ostasiens sind jedoch dafür bekannt, daß sie erstens mehrere Stufen der Höflichkeit unterscheiden, die auf dem sozialen Abstand zwischen den betreffenden Personen basieren, und zweitens auch andere Personen in diese Hierarchie einbeziehen. So gibt es z.B. im Japanischen und Koreanischen auch mehrere Ausdrücke für die 3.Ps. entsprechend der sozialen Beziehung des Sprechers zu ihr. Die japanischen Personalpronomina der drei Personen, watakusi, anatta, kore, sind etymologisch Substantive bzw. Demonstrativa, die relationale Funktionen (wie "Gegenüber") bezeichnen.

Raum

Die Orientierung im Raum ist eine der frühesten kognitiven Leistungen, die der Mensch in seiner individuellen Entwicklung erbringt. Dabei sieht er üblicherweise sich selbst (das "Ego") als Zentrum des kognitiven Raumes, also als den letzten Fixpunkt, auf den jede räumliche Orientierung zurückgeht.7

Diese Tatsache schlägt sich im Lexikon und im grammatischen System aller Sprachen nieder. Das Lexikon enthält Lokaladverbien wie vorn und hinten, links und rechts, die auf Orte unter Bezug auf die Position des Sprechers verweisen. Die Grammatik enthält z.B. Demonstrativpronomina wie dieser und jener, die auf Gegenstände gemäß ihrer Lage in bezug auf die Position des Sprechers referieren. Gegeben einen Gegenstand mit fester Position, so wird diese von dem einen Sprecher vielleicht 'links', von dem anderen 'rechts' genannt werden.

Ein Deiktikum ist, wie wir sahen, ein grammatisches Element (Wort oder Affix), das der Deixis, oft der räumlichen Deixis, dient. Handelt es sich um ein Pronomen der dritten Person, so ist es ein Demonstrativpronomen (z.B. dieser und jener).4 Daneben gibt es auch Demonstrativadverbien (z.B. hier, da, dort; jetzt, dann).

Der Standort des Sprechers ist das Zentrum der lokalen Deixis. Ich bin dort ist in wörtlicher, gegenwartsbezogener Interpretation widersprüchlich. Die primäre Verortung von Gegenständen ist 'innerhalb vs. außerhalb der Sprechsituation', wie in den deutschen Demonstrativa hier vs. dort, dieser vs. jener.

Der Sprecher ist zwar das Zentrum, aber nicht der alleinige Bezugspunkt des deiktischen Systems. Dinge und Orte können auch identifiziert werden mit Bezug auf die zweite oder dritte Person. Paradigmen mit drei Demonstrativpronomina, je einem für das, was beim Sprecher, beim Hörer und bei der dritten Person ist, sind in den Sprachen der Welt sehr häufig. Die Tabellen zeigen das lateinische und japanische System.

Lateinische Demonstrativa
Pronomen
Person    ╲
PersonaleBedeutungDemonstrativumBedeutung
1egoichhicdieser
2tuduistedér (da bei dir)
3iserilledér (dort bei ihm)/jener
Japanische Demonstrativa
Kategorie
Distanz   ╲
SubstantivAdjektiv
proximal soresono
medial korekono
distal areano

In einem solchen triadischen System geht es manchmal auch weniger um die Nähe zu einer der drei Personen als um die Entfernung vom Sprecher. Danach kann man Nahdeixis oder proximale Deixis, mediale Deixis und Ferndeixis oder distale Deixis unterscheiden. Die folgende Tabelle zeigt das spanische System.

Spanische Demonstrativa
DistanzDemonstrativumBedeutung
proximalestedieser (hier)
medialesedér (da)
distalaqueljener (dort)

Wegen der Strukturähnlichkeit zwischen dem personenbasierten und dem entfernungsbasierten deiktischen System kann man die Termini 'proximale vs. mediale vs. distale Deixis' auch für das erstere benutzen. Neben diesen beiden gibt es noch andere Basen für deiktische Systeme, z.B. solche, wo es auf die Befindlichkeit des Referenten innerhalb oder außerhalb des Gesichtskreises des Sprechers ankommt.

Neben den triadischen Systemen gibt es sowohl einfachere als auch komplexere. Einfacher ist z.B. das französische System. Es basiert auf dem allgemein demonstrativen Pronomen ce, das fakultativ durch die Enklitika -ci (proximale Deixis) oder -là (distale Deixis) spezifiziert wird. In einem solchen dyadischen System fällt die Opposition zwischen medialer und distaler Deixis weg, und es bleibt nur die zwischen proximaler und nicht-proximaler (= distaler) Deixis.

Die Markiertheitsverhältnisse im demonstrativen System entsprechen häufig denen im personalpronominalen System. D.h., die proximalen und medialen Deiktika stehen als markiert dem unmarkierten distalen Deiktikum gegenüber. Das ist z.B. im Lateinischen und Französischen der Fall. Das unmarkierte Deiktikum verliert dann oft gänzlich seine deiktische Spezifizität und wird – in determinativer Verwendung9 – zum bloßen Definitheitselement, zum definiten Artikel. Auf diese Weise sind dt. der, engl. the (< that), franz. le und span. el (< lat. ille) aus unmarkierten Demonstrativa entstanden.

Durch solchen Sprachwandel werden andererseits die Markiertheitsverhältnisse im demonstrativen System auch wieder kompliziert. Wenn das unmarkierte distale Demonstrativum zum Artikel wird und damit aus dem deiktischen System ausscheidet, wird für seine Funktion ein Ersatz geschaffen, der zunächst einmal gegenüber den bestehenden Demonstrativa markiert ist. So erklärt es sich diachron, daß die distalen Deiktika des Deutschen (jener), Englischen (yonder) und Spanischen (aquel) nicht die unmarkierten Glieder des Systems sind.

Aus den eingangs genannten Gründen ist der grammatische Locus der Raumdeixis im Pronomen und den grammatischen Adverbien. Es gibt jedoch auch deiktische Elemente und Merkmale am Substantiv und am Verb. Deiktika am Substantiv sind etwa die Nominalpräfixe i- (proximal) und a- (distal) des klassischen Tamil; z.B. ip-pati "diese Weise" – ap-pati "jene Weise". Diese sind bloß – als Affixe – etwas stärker grammatikalisiert als unsere Demonstrativproadjektive und bieten insofern nichts grundsätzlich Neues.

Verbale Deixis gibt es sowohl in Form von grammatischen Morphemen als auch in Form von lexikalischen Merkmalen. Für das erstere bietet B6 ein Beispiel.

B6. a. Steig herab!
b. Steig hinab!
c. *Komm mal eben hin zu mir!

In der konkret-lokalen Verwendung bedeutet die Partikel her eine Bewegung in Richtung auf den Sprecher (B6.a), hin dagegen eine vom Sprecher weggerichtete Bewegung (b). Deswegen ist B6.c nicht möglich. Die Werte der grammatischen Kategorie, welche diese beiden Bewegungsrichtungen markiert, heißen (in ausnahmsweise italienisch inspirierter Terminologie) Andativ (‘hin’) und Venitiv (‘her’).

Ähnliche semantische Merkmale sind auch Teil der Bedeutung einiger Bewegungs- und Transportverben, besonders der Verben für 'kommen/gehen' und 'bringen/tragen'. Im Portugiesischen sind das folgende vier Verben:

Verbale Deixis im Portugiesischen
Bewegung zur Origo
Verbklasse   ╲
+-
Bewegungvirir
Transporttrazerlevar

B7 und B8 illustrieren ihre Distribution.

B7. a. João veio a casa.
Port "Hans kam (zu mir) nach Hause."
b. João foi a casa.
"Hans ging/kam (zu sich) nach Hause."
B8. a. João trouxe o livro a casa.
Port "Hans brachte das Buch (zu mir) nach Hause."
b. João levou o livro a casa.
"Hans brachte das Buch (zu sich) nach Hause."

Vir ist immer "zum Sprecher kommen", ir immer "woanders hingehen"; trazer ist immer "zum Sprecher bringen", levar "woandershin als zum Sprecher bringen". Morgen komme ich zur Bank kann man auf Deutsch sagen; die wörtliche Wiedergabe im Portugiesischen wäre ungrammatisch. Im Deutschen spielen teilweise andere Merkmale eine Rolle. Hier gilt nur, daß bei Bewegung in Richtung auf den Sprecher die Verben kommen und bringen obligatorisch sind, während sonst auch gehen und tragen möglich sind. Dies ist in B9 und B10 illustriert.

B9. a. Komm mal her zu mir!
b. *Geh mal her zu mir!
B10. a. Bring das Buch mal her zu mir!
b. *Trag das Buch mal her zu mir!5
Übungsaufgaben
1. Andativ und Venitiv 1
2. Andativ und Venitiv 2

Zeit

In den Naturwissenschaften spielt der Begriff der physikalischen Zeit eine Rolle. Ähnlich wie der Zahlenstrahl wird hier auch die Zeit als beim Urknall beginnend und seitdem kontinuierlich weitergehend vorgestellt. Natürlichen Sprachsystemen liegt dagegen ein subjektiver Zeitbegriff zugrunde. Ebenso wie in der räumlichen Orientierung der letzte Bezugspunkt die Position des Sprechers ist, ist in der zeitlichen Orientierung der letzte Bezugspunkt der Zeitpunkt des Sprechaktes. D.h. auch das Tempussystem ist ein deiktisches System.

Tempora sind also zeitliche Relationen zu einem gegebenen Bezugspunkt. Die drei wichtigsten dieser Relationen sind Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit. Das aus der Schulgrammatik bekannte triadische System sieht folgende Tempora vor:

Tempus Bedeutung Referenz auf
Präsens Gegenwart eine mit dem Sprechakt gleichzeitige Phase
Präteritum Vergangenheit eine vor dem Sprechakt liegende Phase
Futur Zukunft eine nach dem Sprechakt liegende Phase

Dieses sehr schön logische System bildet tatsächlich annähernd die Basis des lateinischen Tempussystems; vgl. B11.

B11. a. labora-s
Lat arbeit(PRÄS)-2.SG
“du arbeitest”
b. labora-ba-s
arbeit-IMPF-2.SG
“du arbeitetest”
c. labora-bi-s
arbeit-FUT-2.SG
“du wirst arbeiten”

Die Entsprechung ist, wie gesagt, nur annähernd, denn erstens ist im Lateinischen (wie im Deutschen) das Präsens nicht auf Referenz auf den Sprechzeitpunkt beschränkt, sondern (semantisch und strukturell) unmarkiert; und zweitens ist das lateinische Imperfekt nicht einfach ein Präteritum, sondern drückt zusätzlich imperfektiven Aspekt aus.

Recht häufig sind dyadische Tempussysteme, in denen eine Opposition zwischen der Gegenwartsreferenz und entweder der Vergangenheits- oder der Zukunftsreferenz fehlt. Z.B. ist die Basis des deutschen Tempussystems in diesem Sinne dyadisch; einem Präteritum (arbeitete) steht ein Nicht-Präteritum (arbeite) gegenüber. Das Nicht-Präteritum ist das unmarkierte Glied der Opposition, kann also im Prinzip auf jeglichen Zeitpunkt referieren, hat jedoch im Gegensatz zum Präteritum Gegenwarts- oder Zukunftsreferenz. Allerdings wird dieses System von dem mit werden gebildeten analytischen Futur überlagert. Die andere logische Möglichkeit, nämlich die Opposition zwischen einem Futur (Non-Real) und einem Nicht-Futur (Real), ist z.B. im Dyirbal (Beispiel) und im türkischen Substantivsatz realisiert:

B12.a.gel-eceğ-i
Türkkomm-FUT-POSS.3.SG
“daß er kommen wird”
b.gel-diğ-i
komm-REAL-POSS.3.SG
“daß er kommt/kam”

Daneben gibt es auch mehr-als-dreigliedrige Tempussysteme. Relativ häufig ist die Unterscheidung von Vergangenheitsstufen nach ihrer Entfernung vom Sprechzeitpunkt. Das Hixkaryana hat z.B. eine Opposition zwischen unmittelbarer vs. jüngerer vs. zurückliegender Vergangenheit (die letztere nennt man Präteritum remotum). In einigen romanischen Sprachen hat man wenigstens ein Tempus der unmittelbaren Vergangenheit (ein Präteritum recens), wofür B13 ein spanisches und ein französisches Beispiel bietet.

B13. a. Juan acaba de resolver el problema.
b. Jean vient de resoudre le problème.
“Hans hat das Problem soeben gelöst.”

Hierfür treten Periphrasen mit acabar "beenden" bzw. venir "kommen" als Hilfsverben ein, die sich im Zuge der Grammatikalisierung ins Tempusparadigma eingliedern.

Die bisher gesehenen waren absolute Tempora. Ein Tempus ist absolut gdw. es unmittelbar auf den Zeitpunkt des Sprechaktes bezogen ist.6 Relative Tempora sind unmittelbar auf andere Tempora und also nur mittelbar auf den Zeitpunkt des Sprechaktes bezogen. Z.B. kommt das Plusquamperfekt im Hochdeutschen nur als relatives Tempus, nämlich vorzeitig zu einem Vergangenheitstempus, wie in B14, vor.

B14. Nachdem ich das Linguistikstudium abgeschlossen hatte, wurde ich Taxifahrer.

Im System der lateinischen Schulgrammatik gibt es zu jedem der in B11 illustrierten "Haupttempora" ein "Nebentempus", d.h., in linguistischer Terminologie, zu jedem absoluten Tempus ein relatives. Die Zuordnungen sind wie in B15.

B15. a. labora-s : labora-vi-sti
Lat arbeit-PERF-2.SG
“du hast gearbeitet”
b. labora-ba-s : labora-vera-s
arbeit-PLQU-2.SG
“du hattest gearbeitet”
c. labora-bi-s : labora-veri-s
arbeit-FUT.PERF-2.SG
“du wirst gearbeitet haben”

Ebenso wie die absoluten Tempora können auch die relativen gleich-, vor- oder nachzeitig sein, und zwar eben zu dem jeweiligen Bezugstempus. In B15 ist das Verhältnis eines relativen Tempus zu dem entsprechenden absoluten immer eines der Vorzeitigkeit. Das hier gebotene Bild ist übrigens wieder systematischer als die Sprache selbst, und zwar abermals wegen der mit den Tempora verknüpften Aspektunterschiede.

Der Gebrauch der relativen Tempora in zusammengesetzten Sätzen ist in normierten Hochsprachen oft geregelt durch ein System, das man Consecutio temporum (“Tempusfolge”) nennt. Es legt z.B. fest, daß ein mit nachdem eingeleiteter Nebensatz wie der in B14 in einem Tempus stehen muß, das zum Tempus des übergeordneten Satzes vorzeitig ist.

Zustände, Vorgänge und Ereignisse sind normalerweise zeitgebunden, d.h. sie finden statt und sind dann vorbei (s. Zeitstabilität). Gegenstände und in hohem Maße auch ihre Eigenschaften sind i.a. zeitlich konstant, nicht an eine gewisse Zeitphase oder einen Zeitpunkt gebunden. So ist es ganz natürlich, daß der Locus der grammatischen Kategorie ‘Tempus’ das Verb ist (deshalb heißt es in deutscher Schulgrammatik ‘Zeitwort’). Freilich kommt Zeitreferenz auch als lexikalisches Merkmal in Wörtern wie ehemalig, Ex-Präsident usw. vor; aber da konstituiert sie keine grammatische Kategorie. Ein paar Sprachen haben allerdings Tempus als nominale Kategorie, insbesondere im Zusammenhang mit Possession. So unterscheidet das Hixkaryana an besessenen Substantiven zwischen vergangener (B16.b) und nicht-vergangener (B16.a) Possession.

B16. a. i-kanawa-ri
Hix OBL.3.SG-Kanu-POSS
“sein Kanu”
b. i-kanawa-thi-ri
OBL.3.SG-Kanu-PRÄT-POSS
“sein früheres Kanu”

Die Markiertheitsverhältnisse zwischen den Tempora sind meist so, daß dasjenige Tempus, welches Gegenwartsreferenz einschließt, gegenüber allen anderen unmarkiert ist. So gibt es z.B. im Deutschen ein Suffix für das Präteritum, jedoch keins für das Präsens (vgl. zur morphologischen Markiertheit). Fast immer fällt das Präsens auch mit der tempuslosen Subkategorie des Verbs zusammen; d.h. es wird gebraucht, wenn keine Zeitreferenz intendiert ist. Dies gilt z.B. für Gesetzesaussagen, etwa in der Mathematik (Die Winkelsumme im Dreieck beträgt 180°) oder der Jura (Wer in der Klausur bei einem anderen abschreibt, wird mit Fegefeuer nicht unter 12 Jahren bestraft). Ferner sind meist die relativen Tempora gegenüber den zugehörigen absoluten Tempora markiert.

Art und Weise

Für die modale Deixis gibt es im Deutschen nur das Wörtchen so. Das yukatekische Maya hat ein System von drei demonstrativen Klitika, -a' (D1) für proximale Deixis, -o' (D2) für distale Deixis und -e' (D3) für Anapher.

B17. a. beey u ts'íib-t-ik-a'
Yuk so SBJ.3 schreib-TRR-IKMPL-D1
"So schreibt er es (wie ich dir vormache)."
b. beey u ts'íib-t-ik-o'
so SBJ.3 schreib-TRR-IKMPL-D2
"So schreibt er es (wie er dir vormacht)."
c. beey u ts'íib-t-ik-e'
so SBJ.3 schreib-TRR-IKMPL-D3
"So schreibt er es (wie erwähnt)."

Während man im Deutschen die Referenz von so vollständig aus Sprechsituation und Kontext erschließen muß, wird die Referenz von yuk. beey (und mehreren ähnlichen Demonstrativa) obligatorisch durch eines der drei Klitika festgelegt.

Diskursdeixis

Die Diskursdeixis wird hier nur kurz durch ein Beispiel illustriert:

B18.Die Direktion hat Erna entlassen. -
a.Das war falsch.
b.Das ist eine Lüge.

Das Demonstrativum das fungiert im Falle B18.a anaphorisch, denn es bezieht sich auf den durch den vorangegangenen Sprechakt ins Redeuniversum eingeführten Sachverhalt. Im Falle #b dagegen ist es diskursdeiktisch, denn es verweist auf den soeben stattgehabten Sprechakt.

Relativierte Deixis

Die Default-Besetzung der Origo ist, wie gesagt, der Sprecher. Dieser kann seinen Platz jedoch einem seiner Referenten abtreten. Dies geschieht vor allem in direkter Rede, wie in B19.a.

B19. a. Erna sagte: "Ich habe Hunger."
b. Erna sagte, sie habe Hunger.

In B19.a ist die Regel “‘Ich’ ist derjenige, der ich sagt” durch den Sprecher selbst zeitweilig außer Kraft gesetzt. In indirekter Rede, wie in B19.b, geschieht das dagegen nicht; hier ersetzt Anapher (sie ist ein anaphorisches Pronomen) die Deixis.

B20. Erna begab sich nach Nizza.
a. Dort fühlte sie sich besser.
b. Hier fühlte sie sich besser.

In einem Text wie B20.b identifiziert sich der Sprecher mit seinem Protagonisten. Karl Bühler (1933) nannte diesen Fall "Deixis am Phantasma". Da der Sprecher sich selbst und sein Umfeld in seinen Protagonisten hineinprojiziert, spricht man auch von deiktischer Projektion.

Übungsaufgaben
1. Direkte Rede
2. Temporale Deixis

Literatur

Anderson, Stephen R. & Keenan, Edward L. 1985, "Deixis." Shopen, Timothy (ed.), Language typology and syntactic description. Vol.I: Clause structure. Vol.II: Complex constructions. Vol.III: Grammatical categories and the lexicon. Cambridge etc.: Cambridge University Press; III:259-308.

Chung, Sandra & Timberlake, Alan 1985, "Tense, aspect, and mood." Shopen, Timothy (ed.), Language typology and syntactic description. Vol.I: Clause structure. Vol.II: Complex constructions. Vol.III: Grammatical categories and the lexicon. Cambridge etc.: Cambridge University Press; III:202-258.

Levinson, Stephen C. 1983, Pragmatics. Cambridge: Cambridge University Press (Cambridge Textbooks in Linguistics) (Repr. 1987, 1991); ch. 2.


1 Verschiedene Theorien der Deixis rechnen mit verschiedenen relevanten Komponenten der Sprechsituation. Z.B. haben die sozialen Rollen der Sprechaktteilnehmer in Levinson 1983 den Status einer solchen Komponente. Sie werden hier als ein Aspekt der Sprechaktteilnehmer behandelt.

2 Das altgriechische Significans ist /'deiksis/. Der enthaltene Diphthong wird im Deutschen allerdings (nach den zugegebenermaßen idiosynkratischen deutschen orthographischen Regeln) [ai] gesprochen, wie auch in anderen griechischen Fremdwörtern wie Poseidon und Kaleidoskop. Manche sprechen das Wort Deixis so wie die alten Griechen aus; aber es gibt kein anderes griechisches Fremdwort, bei dem das so gemacht wird.

3 Für seine Bedeutung gilt das selbstverständlich nicht.

4 Demonstrativ ist bloß das lateinische Wort für das griechische deiktisch. Die linguistische Terminologie ist in dieser Hinsicht meist so geregelt, daß deiktisch eine (semantisch-referentielle) Funktion, demonstrativ dagegen eine grammatische Kategorie bezeichnet.

5 Lt. Duden - Deutsches Universalwörterbuch s.v. hertragen wäre das grammatisch; aber dafür gibt es keine Evidenz.

6 Die Darstellung ist vereinfacht. Tempus betrifft, genau genommen, nicht die Zeit der jeweils dargestellten Situation, sondern die Zeit von deren Topic (s. Klein 1994).

7 Das ist jedenfalls in der Deixis so. Es gibt freilich auch Raumorientierung, deren Bezugspunkt nicht das Ego, sondern z.B. die Himmelsrichtungen sind. Mehr dazu anderswo.

8 Wie in Fn. 1 gesagt, kann noch soziale Deixis hinzukommen.

9 In selbständiger Verwendung dagegen wird es oft zum Personalpronomen der 3. Ps.

10 Traditionell “modale Deixis”, engl. manner deixis.