Grammatischer Wandel ist die Veränderung des grammatischen Systems. Genauso wie es keine allgemeine Systematik der Grammatik gibt, gibt es auch für den grammatischen Wandel keine umfassende Systematik. Er wird hier eingeteilt nach den Mechanismen, die für den Wandel verantwortlich sind:
- Analogischer Wandel ist Herstellung bestimmter grammatischer Verhältnisse nach einem Vorbild.
- Grammatikalisierung ist die Erzeugung grammatischer Einheiten und Konstruktionen aus lexikalisch-syntaktischen Einheiten und Konstruktionen.
- Reanalyse ist die Erzeugung neuer grammatischer Strukturen durch Uminterpretation von bestehenden.
Bereits in synchroner Analyse ist es gelegentlich unmöglich, eine Grenze zwischen den Komponenten des Sprachsystems und insbesondere der Grammatik zu ziehen. In der Diachronie erweist sich dies dadurch, daß Einheiten von einer in die andere Komponente übergehen. So werden in der Grammatikalisierung syntaktische zu morphologischen Strukturen, und lexikalische Einheiten werden zu grammatischen Formativen. Im Lautwandel können, wie in dem betreffenden Abschnitt dargestellt, vordem rein lautliche Erscheinungen eine morphologische Funktion annehmen.